| |
|
| |
DIE RUHE UND DER STURM
Es gibt Orte, wo das Wetter enorm schnell und vollkommen überraschend umschlagen kann. An solchen Orten sollte man stets auf der Hut sein, statt auf die Prognosen der Wetterfrösche zu vertrauen - sonst kann es passieren, dass man plötzlich von einem Sturm hinweggefegt wird. Beim Quartett des Saxofonisten Reto Suhner handelt es sich um eine Formation, deren Konzerte einem Aufenthalt in einer instabilen Wetterzone gleichen. Wenn Ruhe einkehrt, sollte man sich also besser nicht entspannt zurücklehnen: Vielleicht befindet man sich ja gerade im Auge eines Hurrikans.
Suhner, der sich eigentlich gar nicht als Leader der Band fühlt, sagt: «Gewisse Stücke spielen wir immer wieder anders. Die Hingabe an den Moment führt zu grosser Lebendigkeit.» Tatsächlich zeugt der über weite Strecken atemberaubende Mitschnitt eines umjubelten Auftritts am Schaffhauser Jazzfestival von der enormen Wandelbarkeit der Band, die sich in der knisternden Live-Atmosphäre viel weiter auf die Äste hinauswagt als auf den drei vorangegangenen Studioalben. Die Risikofreude aller Beteiligten basiert auf einem beinahe blinden Vertrauen, das sich im Laufe der Jahre herausgebildet hat.
Gruppendynamische Prozesse kommen bei Suhners Quartett besonders prägnant zur Geltung. Erstens gibt es keine hierarchische Rollenverteilung, unter den Musikern besteht vielmehr ein engmaschiges und egalitäres Kommunikationsnetz. Zweitens werden die Stücke nicht wie eine Skulptur behandelt, die sich nur noch polieren lässt, sondern wie ein Stück Lehm. Ein solches lässt sich praktisch nach Belieben formen und verformen. Dieser Vergleich stammt übrigens von Wayne Shorter. Man befindet sich kaum auf dem Holzweg, wenn man im Quartett dieses Visionärs eine wichtige Inspirationsquelle für Suhner & Co. vermutet.
Das Repertoire der Band stammt aus den Federn von Suhner und Lester Menzes. Über die Hellhörigkeit des aus Indien stammenden Pianisten schwärmt der Saxofonist: «Ich kann irgendeine Note spielen und sie wird gut klingen, weil er genau das Richtige macht.» Dazu kommt eine Groove-Crew mit Fabian Gisler (Bass) und Dominik Burkhalter (Schlagzeug), die mit traumwandlerischer Sicherheit das Spektrum zwischen geschmeidiger Lockerheit und explosivem Hochdruck vermisst. Trotz aller individuellen Brillanz steht bei diesen Musikern das Musketier-Motto “Einer für alle, alle für einen” im Vordergrund.
Das Album «Live in Schaffhausen» dokumentiert einen besonders aufregenden Ausschnitt eines work in progress, einer Metamorphose mit vielen unbekannten Vari-ablen. Für Suhner, Menezes, Gisler und Burkhalter ist der Weg das Ziel. Sie streben nicht nach einem perfekten Endzustand, ihnen geht es vielmehr darum, jeden Augenblick mit einem Maximum an gegenwärtiger Dringlichkeit zu (er)leben. Darum strahlt ihre Musik eine zugleich elementare und unberechenbare Kraft aus, die an die sanftmütigen und böswilligen Launen der Natur erinnert. Die Suche nach dem verlorenen Paradies geht weiter.
Tom Gsteiger, März 2008
|
|
| |
|
| |
-> Siehe Reto Suhner |
|
 |
| |
|
|
| |
Der 1975 in Zürich geborene Dominik Burkhalter genoss schon im Alter von drei Jahren Schlagzeug-Unterricht. Er studierte 1995 bis 1999 an der Jazzschule Luzern und begann dort gleich nach seinem Abschluss, Schlagzeug und Rhythmus zu unterrichten. Burkhalter spielte u.a. mit Menico Ferrari’s Commute, Manufactur, Baumann-Hämmerli Sextett, Chris Wiesendangers Undersond, Christy Doran’s New Bag, Adrian Frey Trio, Adrian Frey Septet, Dana Briant, Thierry Lang, Billy Cobham, Corin Curschellas, Max Lässer, Moe, Peter Herbert, Mbryo. Hinzu kommen seine eigenen Projekte DOM und Asphalt Jungle. |
|
 |
| |
|
|
| |
Lester Menezes wurde 1967 in Bombay geboren. Seine Mutter, eine klassisch ausgebildete Pianistin, ebnete ihm schon früh den Weg zum Klavier. Nach einem Studium der Mathematik in Bombay zog er in die USA, studierte am Berklee College of Music in Boston Jazzkomposition und schloss mit der Bestnote und Auszeichnung ab. Danach folgte ein Diplomabschluss für klassisches Klavier am Trinity College of Music, London. Zu seinen Lehrern zählten Ed Tomassi, Charlie Banacos, Ray Santisi, Herb Pomeroy, Greg Hopkins. Er spielte u.a. mit Adrian Mears, Andy Lüscher, Joel Reiff, Peter Eigenmann, Charlie Antolini, Carlo Schöb, Thommy Möckel, Roman Dylag, Bänz Öster, Stefan Kurmann, Thomas Ackermann und Lionel Hampton (bei der Republican Convention). Menezes unterrichtet an verschiedenen Jazzschulen in der Schweiz und in den USA. |
|
 |
| |
|
|
| |
Fabian Gisler wurde 1977 in Zürich geboren und studierte an der Berufsabteilung der Swiss Jazz-School in Bern bei Peter Frei, Reggie Johnsen, Bert Joris, Rufus Reid und Andy Scherrer. Hinzu kamen Masterclass Workshops mit Ray Brown, George Gruntz, Dave Liebmann, Joe Lovano und George Mraz. 1998 gewann er den Förderpreis des "generations – internationales jazztreffen frauenfeld“ und 2001 des "new jazz generation contest" in Bern. Von 2000-2002 zählte er als festes Mitglied zur Klezmer Gruppe "Kolsimcha" mit Konzertauftritten in Europa und Amerika. Er konzertierte u. a. mit Franco Ambrosetti, Gianni Basso, Bill Carrothers, Philip Catherine, Don Friedmann, Dusko Goykovich, Tony Lakatos, Robert Lakatos, Dado Moroni, Adam Nussbaum, Dick Oatts, Dré Pallemaerts, Kurt Rosenwinkel, Garry Smulyan, Donny McCaslin, Mark Soskin, Matthieu Michel, Makaya Ntshoko, Andy Scherrer, Roman Schwaller, Co Streiff, Nat Su, Kenny Werner und Nils Wogram. Fabian Gisler spielt regelmässig mit seinem eigenen Quartett und in zahlreichen anderen Formationen |
|
 |
| |
|
| |
|
| |
Weitere Bands: |
| |
|
| |
- Pius Baschnagels Influences
Jean-Paul Brodbeck -p, Leon Duncan -b, Pius Baschnagel -dr
|
| |
- Swiss Jazz Orchestra
Tobias Friedli-dr ,Lorenz Beyeler-b ,Phillipp Henzi-p ,Gesa-tp ,Johannes Walter-tp, Thomas Knuchel-tp ,Daniel Woodtli-tp ,René Mosele-tb ,Vincent Lachat-tb ,Bernhard Bamert-tb ,Reto Zumstein-tb ,Adrian Pflugshaupt-as,ss,fl, Till Grünewald-ts,cl, Klaus Widmer-ts,fl, Neta Noren-bs,bcl
|
| |
- Martin Streule Jazz Orchestra
Thomas Geiger,Jochen Baldes,Jürg Bucher,Lukas Heuss,Berhard Bamert,René Mosele, Andreas Tschopp,Beat Felder,Sandro Hässler,Lukas Thöni, Daniel Schenker,Daniel Wootli,Tomas Sauter,Adrian Frey,Patrice Moret,Tobias Friedli
|
| |
- Adrian Frey Septet (CH/D)
Daniel Schenker -tp/flh, Jochen Baldes -ts,acl, Bernhard Bamert -tb, Ardian Frey -p, Fabian Gisler -b, Dominik Burkhalter -dr
|
| |
- Herbie Kopf's UFO (Nonet)
Daniel Schenker -tp/flh, Bernhard Bamert -tb/euph., Adrian Pflugshaupt -ss/fl/bcl, Thomas Lüthi -ts/ss/cl, Daniel Pezzotti -cello, Tim Kleinert -p, Herbie Kopf -b, Pius Baschnagel -dr
|
| |
- Dominik Burkhalter Trio (CH)
Fabian Gisler -b, Dominik Burkhalter -dr
|
| |
- Manuel Mengis:Gruppe 6
Manuel Mengis-tp, Roland Von Flue-ts/bcl, Florian Stoffner-g, Masi Stalder-b, Lionel Friedli-dr
|
| |
- Herbie Kopf's Close Contact
Tobias Preisig-viol, Herbie Kopf-b, Tobias Friedli-dr
|
| |
- Lester Menezes/Reto Suhner
Lester Menezes -p
|
| |
- ZJO: Zurich Jazz Orchestra
Rainer Tempel, Adrian Pflugshaupt, Christoph Grab, Matthias Tschopp, Lukas Heuss, Adrian Weber, Bernhard Bamert, Andreas Tschopp, Don Randolph, Patrick Ottiger, Bernhard Schoch, Daniel Baschnagel, Wolfgang Häuptli, Adrian Frey, Kalli Gerhards, Pius Baschnagel
|
| |
|
|